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Übersieht die qualitative Marktforschung das Potential der Schweiger?

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Angeblich findet sich ja in jeder Gruppe mindestens ein sogenannter Schweiger. Menschen, die in der Gruppendiskussion nichts sagen, den Moderator mit großen Augen anstarren oder extra aufgefordert werden müssen, um dann doch nur einen kurzen Satz von sich geben.

Mit Hilfe von Rekrutierungsbögen versuchen Marktforscher solche Menschen auszusortieren. Da gibt es Quoten auf Eloquenz und Offenheit und vieles mehr und dennoch hat man sie dann in der Gruppe sitzen.

Auch ich dachte immer, dass das Leute sind, die sich drücken wollen, die einfach nur ihre Zeit absitzen. Seitdem ich aber angefangen habe den Bestseller von Susan Cain ‚Quiet – the power of introverts in a world that can’t stop talking‘ zu lesen, sehe ich das allerdings anders (https://www.quietrev.com/quiet-the-book/).

Susan Cain erklärt anhand von vielen interessanten und anschaulichen Beispielen, Studien und Experteninterviews, dass Extrovertierten öfter Gehör geschenkt wird, weil sie lauter und schneller sind, weil sie sich besser präsentieren können.

Introvertierte kommen hingegen oft überhaupt nicht zum Zug weil sie eher nachdenken bevor sie etwas sagen, weil sie es vorziehen sich schriftlich auszudrücken, weil sie schlecht darin sind sich vor einer Gruppe zu produzieren. Deswegen würden viele wichtige Entscheidungen oft nicht optimal getroffen, weil die Vorschläge von Introvertierten (die genauso gut sind wie die von Extrovertierten) kein Gehör geschenkt wird.

Das ist der Punkt, wo ich mich ertappt fühle. Bevorteilen wir die Meinung von Extrovertierten in Gruppendiskussionen weil wir darauf vertrauen, dass diejenigen, die sofort antworten, für alle sprechen? Vernachlässigen wir damit die Meinung der Introvertierten, die immerhin laut Studien bis zur Hälfte der Bevölkerung stellen?

Sicher ist es für bestimmte Set-ups wie Innovationsworkshops wichtig, dass die Teilnehmer nicht schüchtern in der Ecke sitzen…. aber vielleicht haben die Introvertierten ja eine andere Meinung, die wir nie zu hören bekommen, weil sie schlichtweg einfach nicht in die Marktforschung kommen?

Was dagegen tun? Ein paar Sachen, die mir spontan in den Sinn kommen:

In der Rekruitierung: ein Screener allein reicht nicht aus, um zu entdecken ob jemand schüchtern ist oder nicht. Man muss wirklich mit Menschen ein paar Minuten lang sprechen, sich ein Bild über die kognitiven, sozialen und kommunikativen Fähigkeiten machen – jenseits von Algorithmen.

Bei der Research: Jeder gute Moderator versucht alle Teilnehmer gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen. Darüber hinaus helfen kurze schriftliche Notizen vor der Diskussion, die Meinungen auch derer einzufangen, die nicht schnell oder laut genug sind.

Denn in einer zunehmend polarisierten, schrillen Welt, in der immer mehr Menschen sich immer vorsichtiger öffentlich äußern weil der soziale Druck steigt, wird es immer wichtiger für uns Forscher auch potentiell stille Meinungen einzufangen, um ein vollständiges Bild zu bekommen und nicht nur den Dominanten das Wort zu erteilen.

Denn ich bin sicher, Schweiger haben richtig was zu sagen!

 



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